Peter kocht Riz Casimir
kk
Zwischen Gemeinschaft und Erinnerung
Ich koche nicht nur ein Gericht. Ich möchte Menschen an einen gemeinsamen Tisch bringen.
Kochen begann für Peter aus einem praktischen Grund. Heute steht etwas anderes im Mittelpunkt: Gemeinsam essen, miteinander reden und füreinander da sein.
Seine Geschichte erzählt von Gastfreundschaft, Verlust und einem Gericht, das ihn seit vielen Jahren begleitet.

Originalstimme (30 Sekunden)
Gemeinsam statt allein
Ich heisse Peter, bin 69 Jahre alt und lebe seit 1976 im Kanton Thurgau. Früher arbeitete ich auf einer Bank in der Buchhaltung. Mit dem Kochen begann ich eigentlich aus einem einfachen Grund: Ich musste mich selber versorgen. Es war angenehmer und günstiger, als ständig auswärts essen zu gehen.
Später fragte man mich in unserem Verein, ob ich nicht ebenfalls einmal kochen möchte. Wir sind eine Gruppe schwuler Männer, die sich jede Woche trifft. Wir essen gemeinsam, reden miteinander und verbringen den Abend zusammen.
Der Verein entstand bereits Mitte der 1980er-Jahre. Damals lud jemand einfach ein paar Freunde zu sich nach Hause ein. Es ging nie um etwas anderes als um Begegnungen und Gespräche. Viele schwule Männer lebten damals sehr zurückgezogen oder hatten niemanden, mit dem sie offen reden konnten. Unser Verein sollte ein Ort sein, an dem man sich sicher fühlen durfte.
Ein geschützter Ort
Gerade in den 1980er- und 1990er-Jahren war das besonders wichtig. HIV und AIDS bestimmten den Alltag vieler Menschen. Medikamente gab es kaum, und wir verloren immer wieder Freunde und Bekannte. Manche hielten sich an alle Empfehlungen und wurden trotzdem krank.
Ich glaube, unser Verein konnte einigen Menschen Halt geben. Vielleicht konnten wir sogar verhindern, dass jemand ganz aufgab. Das weiss man nie. Aber ich weiss, wie wichtig es ist, einen Ort zu haben, an dem man offen sprechen kann.
In einem Restaurant würde man sich kaum trauen, über persönliche Fragen oder Sorgen zu reden. Bei uns kann jeder erzählen, was ihn beschäftigt. Das gemeinsame Essen schafft eine lockere Stimmung. Es verbindet.
Wieder zurück ins Leben
Lange Zeit kochte zu Hause vor allem mein Partner. Als seine Krankheit schlimmer wurde, übernahm ich immer mehr. Er starb 2004 an HIV / AIDS.
Nach seinem Tod musste ich meinen Weg zurück ins Leben finden. Ich war froh, wieder regelmässig in den Verein gehen zu können. Dort fragte man mich erneut, ob ich nicht einmal für alle kochen wolle.
Für zwei Personen zu kochen ist etwas anderes als für zwanzig. Beim ersten Mal ging gleich alles schief. Wegen eines Missverständnisses kamen viel mehr Leute als angemeldet. Am Schluss bekam jeder nur noch ein paar kleine Kartoffeln.
Trotzdem dachte ich: Das kann ich besser.
Ich versuchte es wieder. Diesmal gelang es. Die Rückmeldungen waren gut, und ich merkte, dass mir das Kochen Freude machte.
Für meine Gäste
Heute freue ich mich jedes Mal, wenn viele zum Essen kommen.
Ich sehe sie als meine persönlichen Gäste. Ich möchte sie verwöhnen. Es geht nicht darum, möglichst billig oder möglichst schnell etwas auf den Tisch zu bringen. Mir ist wichtig, dass die Leute gerne kommen und sich wohlfühlen.
Natürlich kann man es nie allen recht machen. Dem einen sind die Rüebli zu knackig, dem anderen zu weich. Früher beschäftigte mich das mehr. Heute weiss ich, dass jeder einen anderen Geschmack hat.
Seit ich pensioniert bin, koche ich viel entspannter. Ich kann früher anfangen und muss mich nicht mehr stressen. Auch unsere sanierte Küche macht vieles einfacher. Das merkt man sofort.
Warum gerade Riz Casimir?
Riz Casimir begleitet mich schon seit vielen Jahren. Als ich jung war, galt das Gericht als etwas Exotisches. Meine Mutter hätte nie mit Curry gekocht. Sie traute sich nicht an diese Gewürze heran.
Als ich später selbst im Restaurant Riz Casimir probierte, war ich sofort begeistert. Die Mischung aus Curry, Früchten, Süsse und leichter Säure hat mir gefallen. Bis heute mag ich dieses Zusammenspiel.
Ich probiere gerne verschiedene Früchte aus und ergänze das Gericht mit etwas Gemüse. Rüebli und Peperoni gehören für mich einfach dazu. Jeder macht Riz Casimir ein wenig anders. Genau das gefällt mir. Man kann ausprobieren und seinen eigenen Geschmack finden.
Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Vertrautem und Neuem, die mich bis heute daran fasziniert.
Und am schönsten ist es, wenn am Ende alle gemeinsam am Tisch sitzen.








