Gabrielle kocht syrisch

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Erinnerungen an Damaskus, London und die Küche meiner Grossmutter


Wie Essen Familie, Herkunft und Geschichten miteinander verbindet

Gabrielle wächst zwischen verschiedenen Kulturen auf. Über ihre Grossmutter aus Damaskus entdeckt sie die syrische Küche – nicht durch Kochunterricht, sondern durchs Zuschauen und gemeinsame Mahlzeiten. 

Köfte mit Couscous und Orangensalat erinnert sie bis heute an Familie, Gastfreundschaft und den Duft ihrer Kindheit.

Frau mit lockigem Haar hält eine Platte mit syrischem Gericht in einer Küche

Originalstimme (51 Sekunden)

Gabrielle erzählt…

Heute mache ich Köfte mit Couscous-Salat und Orangensalat. Das ist ein arabisches Gericht. Man kennt es in der syrischen, der libanesischen und der irakischen Küche. Für mich gehört es zu den Gerichten, die mich am stärksten an meine Grossmutter erinnern. 

Die Küche meiner Grossmutter

Meine Grossmutter stammte aus Damaskus. Wir nannten sie Tete. In den 1920er-Jahren lernte sie meinen Grossvater kennen, der aus Indien kam. Nach ihrer Heirat lebten sie im Irak, wo auch meine Mutter geboren wurde. Später musste die Familie fliehen und zog nach London. Dort lernte meine Mutter meinen Schweizer Vater kennen.

Die arabische Küche bedeutet mir sehr viel. Sie ist für mich Kindheit, Familie und geselliges Beisammensein. Meine Grossmutter stand oft tagelang in der Küche und bereitete wunderbare Gerichte zu: Kibbeh, Okra, Hummus, Baba Ganoush und eben auch diese Köfte, die ich besonders liebte.

Wenn ich daran zurückdenke, denke ich zuerst an London. Damaskus habe ich erst viel später, 2004, zum ersten Mal besucht. Ich höre noch heute das Klimpern der vielen Armreifen meiner Grossmutter, während sie in der Küche arbeitete. Aus der Küche strömten die verschiedensten Düfte, und wir Kinder durften zwischen dem Spielen im Garten immer wieder hineingehen und etwas probieren. Das war jedes Mal etwas Besonderes. 

Gemeinsam am Tisch

Gegessen wurde immer in grosser Runde. Wenn wir nach London reisten oder meine Grosseltern in die Schweiz kamen, versammelte sich die ganze Familie. Onkel, Tanten und Freunde sassen mit uns am langen Esstisch. Es wurde gekocht, gelacht, gegessen und erzählt. Meine Mutter machte zum Abschluss oft einen Bauchtanz – nicht im traditionellen Kostüm, sondern in den damals modischen Bell-Bottom-Jeans und einem Tanktop. Das gehörte einfach dazu. 

So habe ich kochen gelernt

Kochen gelernt habe ich nie im eigentlichen Sinn. Niemand erklärte mir, wie etwas gemacht wird. Ich habe einfach zugeschaut und war immer dabei. Über die Jahre ist dieses Wissen ganz von selbst auf mich übergegangen. Manche Gerichte koche ich heute aus dem Stegreif. Für andere gibt es das handgeschriebene Kochbuch meiner Mutter. Es liegt heute bei meiner Tante in London. Weil ich leider kein Arabisch lesen kann, rufe ich sie manchmal an, wenn ich ein Rezept brauche. 

Ein Stück Heimat

Obwohl ich nur wenig Zeit im Nahen Osten verbracht habe, fühle ich mich der arabischen Kultur sehr verbunden. Sie ist für mich ein Stück Heimat und gleichzeitig ein Sehnsuchtsort. Damaskus mit seiner Altstadt hat mich tief beeindruckt. Als Architektin ist es für mich ein Geschenk, dort zu sein. Auch die syrische Küche hat eine lange Geschichte. Sie ist fein, vielfältig und der libanesischen Küche sehr ähnlich.

Für die Köfte verwende ich Bahar, eine Sieben-Gewürz-Mischung, und Sumak, das dem Fleisch eine feine säuerliche Note gibt. Den Couscous würze ich mit Paprika, Salz und Pfeffer und mische Cranberries, Walnüsse, Olivenöl und Zitronensaft darunter. Zum Schluss gibt es einen Orangensalat mit Orangenblütenwasser, Granatapfelsirup, Zimt und etwas Limette oder Zitrone.

Eigentlich ist das ein einfaches Gericht. Für mich steckt darin aber viel mehr als ein Rezept. Es erinnert mich an meine Grossmutter, an meine Familie und an all die Stunden, in denen wir gemeinsam gegessen, gelacht und Geschichten erzählt haben. 


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